Damit deutlich wird das nicht alles eitel Sonnenschein ist, hier nun eine Einheit, wie sie halt auch vorkommen. Wobei es im Rahmen der Bodenarbeit die erste Einheit ist die so danebenging.

Background: die Koppel ist seit knapp einer Woche zu, wir haben einen überraschenden Winteranfang mit Schnee und Frost bekommen und seit ein paar Tagen hat uns das vierte Pferd, die Warmblutstute Pia leider verlassen müssen. Gerade in der Herdenhaltung im Offenstall reagieren die Pferde deutlich auf Änderungen in ihrem Alltag.

Nachdem ich den jungen Mann erst mal zu seinem nicht geringen Verdruss aus einer Schlamm-Lehmkruste raus kratzen musste ging es raus auf den Platz. Der lautstarke Protest der anderen beiden hat uns begleitet. Auf dem Platz hat es leider Gras Wildwuchs. Amoroso hat sich kaum dass ich ihn ausgelassen habe natürlich gleich drauf gestürzt als gäbs kein Morgen.

Mir ist die Freiwilligkeit der Pferde wichtig, also ihre Entscheidung freiwillig zu mir zu kommen bzw. sich freiwillig den Kappzaum anlegen zu lassen. Daran war heute gar nicht zu denken. Als ich ihn den Kappzaum umlegen wollte wich er aus um weiterfressen zu können. Das geht natürlich gar nicht. Fressen außerhalb der Arbeit ist ok aber statt Arbeit ist keine Option. Wer nicht arbeiten und nicht mitarbeiten will muss laufen. Tja, auch die Freiwilligkeit hat halt ihr Grenzen ;-).

Wilder Mann
Er war übermütig wie ein junger Hund. Die Hufe flogen durch die Luft, da wurde gebuckelt und gestiegen, natürlich immer wieder unterbrochen durch den hoffnungsfrohen Versuch etwas Gras naschen zu können. Aber es ist ja ein intelligentes Kerlchen und ein etwas faules noch mit dazu, drum hat er schnell begriffen das er zu mir kommen sollte. Das tat er dann auch im stolzen Imponiertrab mit weit geöffneten Nüstern und trompetend. Imponiert hat er mir damit nicht aber ich musste lachen. Nach meinen Jahren mit Fine kann er mich mit so etwas nicht wirklich beeindrucken ;-). Überhaupt gelingt es ihm nicht recht mir Angst zu machen, nicht dass er es nicht ab und an versuchen würde…

Unkoordiniert
Endlich mit Kappzaum, Zügel und Gerte bestückt haben wir uns an die Arbeit gemacht. Na ja, mit Ruhm haben wir uns heute nicht bekleckern können. Er war extrem guckig und spannig. So war natürlich an Stellungen und Biegungen nicht wirklich zu denken. Außerdem hat ihn nach wie vor das bisserl Gras unter seinen Hufen mächtig angezogen. Bei jedem Loslassen des Halses aus der Schulter fiel die Nase mit rasender Geschwindigkeit ins Gras. Kaum wieder hochgezupft hebelte er sich mit einem prächtigen Unterhals nach oben aus. Irgendwas hat wohl heute mit der Schwerkraft nicht gestimmt :-).

Heute wollte ich Volten vergrößern und aus dem Zirkel heraus das erste Schulterherein erarbeiten. Ein paar Volten haben wir auch vergrößern können aber er fällt mir dabei zu stark über die Schulter nach außen. Selbst mit dem Anhalten hatten wir heute Schwierigkeiten. Auch ein gleichmäßiges Tempo war heute irgendwie so überhaupt nicht zu schaffen. Schneckentempo oder Stechschritt hatte der Herr heute zu bieten. Nach einer sauberen Schlangenlinie hab ich die Einheit dann vorzeitig beendet. Manchmal passt’s halt nicht und es erzwingen zu wollen hat noch nie wirklich funktioniert. Ein guter Abschluss bei dem wir beide Freude aneinander haben ist mir wichtig.

Kaum hatte ich ihn wieder nackig, wollte er nicht mehr fressen sondern lief mir hinterher wie ein Hündchen. Ich bin dann mit ihm in die grasreichste Ecke und habe seinen Kopf zum Gras runter gelockt und ihm ausdrücklich die Erlaubnis zum grasen erteilt. Er lies er sich auch nicht lange bitten ;-).

Ein Tag der Extreme halt.