Wir wollten das „Reiten“ etwas forcieren und so ist Friedl nach etwas lösender Bodenarbeit wieder auf Amorosos Rücken gestiegen. Amoroso wurde unruhig, verkürzte die Tritte und „piaffierte“ nahezu, was natürlich das Gegenteil dessen war was wir erreichen wollten. Zwar schnaubte er zwischendrin auch ab aber die hohe Grundspannung blieb. Ein kurzes Steigen und unwilliges Schweifschlagen waren ebenfalls deutliche Anzeichen dafür das ihm nicht wohl dabei war. Trotz des Steigens blieb er locker händelbar und Friedl kam auch auf dem nackten Pferderücken nicht wirklich in Wohnungsnot, da er langsam, fast schon kontrolliert gestiegen ist. Interessanterweise gehört das Steigen nicht zu seinem normalen Verhaltensrepertoir, also das was er frei zeigt. Selbst wenn die beiden Jungs miteinander spielen ist es zumeist Sams was steigt und Amoroso folgt ihm da nur sehr selten.

Friedl bemängelte zu Recht Amorosos Fixierung auf mich und die Leckerlies. Ich denke aber auch das er dadurch seine Unruhe irgendwie Herr werden wollte, etwa vergleichbar mit Rauchen oder Kaugummikauen. Friedl kam dann auf die Idee den Reitplatz zu verlassen und ihn erst mal das Stück bis hoch zur Eiche bis zum Ende der großen Koppel zu führen und dann dieses Stück zu reiten. Gesagt – getan. Beim Führen entspannte er sich sofort, kaum saß Friedl auf seinem Rücken stand er wieder unter einer starken Anspannung. Diese Spannung nahm also von Mal zu Mal zu, statt abzunehmen. Für uns erst einmal ein Indiz das wir so auf dem falschen Weg sind und erst einmal die Bodenarbeit insbesondere die Longenarbeit vertiefen werden bis Amoroso gelernt hat sich an der Longe in sauberer konstanter Dehnungshaltung selbst zu tragen. Vor allem ein locker nach oben schwingender Rücken ist da wichtig.

Am nächsten Tag bekam Friedl dann noch einmal ein deutliches Nein von ihm zu hören, weil er sich erst gar nicht aufhalftern lassen wollte. Dieses Nein haben wir akzeptiert, weil wir wenig davon halten ein Pferd ohne Kooperationsbereitschaft und ohne Motivation stumpf zur Arbeit zu zwingen. Unser Ziel ist ja ein motiviertes und freudig mitarbeitendes Pferd und kein seelenloser, dressierter Befehlsempfänger.

Bei so einer Korrektur darf man solche vermeintlichen Rückschritte nicht überbewerten. Damals bei Fine hat es fast zwei Jahre gedauert bis sie sich von den vertrauten Mustern (aufsteigen – antreten – losbuckeln) lösen konnte und selbst heute nach über 10 Jahren fällt sie hin und wieder darin zurück. Fine war rund ein dreiviertel Jahr in Beritt – Amoroso knapp 3 Jahre, da verfestigen sich solche Muster nicht, da werden sie zementiert! Um es noch besser zu illustrieren: ich habe bei Fine mal eine Herzfrequenzmessung während des Reitens durchgeführt. Beim Satteln war ihre Herzfrequenz auf rund 180. Eine Frequenz die sie noch nicht einmal beim später folgenden Renngalopp bergauf erreicht hat. So angespannt ist sie nach wie vor beim Satteln! Äußerlich war es an diesem Tag nur an ihrem angespannten Kinn zu sehen.

Ein einfaches, unkompliziertes Freizeitpferd wird wohl nie aus ihm werden aber das braucht er ja auch nicht.
Wir haben den Knackpunkt erreicht, nun gilt es ihn „nur“ noch erfolgreich zu überwinden ;-). Amoroso bekommt alle Zeit die er braucht!