Heute haben wir mit Amoroso das erste Mal ohne Fines Unterstützung gearbeitet. Er war etwas aufgeregt und wollte sich nicht auf mich und meine Forderungen einlassen. Sicherheitshalber hatte ich bereits vorher den Platz von sämtlichen Stangen, Planen und Aufstieghilfen geräumt.

Bei Fines Ausbildung kam ich recht schnell an den Punkt an dem ich regelrecht an ihrem Ego zerschellt bin. Mir flogen bei der Freiarbeit immer öfter die Hufe um die Ohren und mehr als einmal hat sie bewusst nach mir getreten und natürlich auch getroffen. Sie galt damals ebenfalls als unreitbar. Mir entspricht es aber so gar nicht einem Pferde Gewalt entgegen zu setzen oder es gar brechen zu wollen. Andererseits ist es natürlich alles andere als lustig wenn ein so athletisches und energiegeladenes Tier wie ein Pferd einem die Hufe um die Ohren haut und angreift. Das Join up ist meines Erachtens für genau solche Pferde eine gute Lösung. Ohne den Einsatz von körperlicher Gewalt erreicht man über die Psyche die Gefolgschaft und den Respekt des Pferdes. Die meisten Pferde folgen einem auch so, da braucht es kein Join up bzw. es wäre sogar ausgesprochen schädlich!

Die Vorgehensweise ist simple. Ich habe Amoroso mit Hilfe eines Seils von mir weg geschickt und in Bewegung gehalten. Mehrfach hab ich ihn zwischendrin in Ruhe gelassen und gewartet das er sich mir anschließt, dass hat er nicht getan also hab ich ihn weiter geschickt. Er hat – im Gegensatz zu Fine damals – keinen einzigen Versuch unternommen mich in irgendeiner Weise anzugreifen. Er hat auch nicht gebuckel, gestiegen oder hinten ausgeschlagen. Er ist lediglich gelaufen. Nicht in Panik, noch nicht einmal ansatzweise aufgregt aber er ist gelaufen. Da er recht gut was auf den Rippen hat und inzwischen völlig untrainiert ist hat er recht schnell angefangen zu schnaufen und zu schwitzen.

Als er nach einem Stop in der Ecke den Kopf absenkte und leicht gekaut hat hab ich mich wieder sofort von ihm abgewandt und passiv zu Boden geschaut und siehe da er kam zu mir und ist mir von da an völlig synchron gefolgt. Er hiel prompt an sobald ich stehen blieb und trabte an sobald ich schneller wurde. Bin ich Achten oder Hufschlagfiguren gegangen ist er mir wie am Halfter geführt gefolgt und hat auch nicht abgekürzt. Ich hab ihn natürlich sehr gelobt und er machte einen geradezu gelösten Eindruck. Für die ganze Aktion haben wir ca. 15 Minuten gebraucht. Bei Fine hab ich damals fast 1 Stunde gebraucht. Sie war echt ein harter Brocken!

Da ich ihn nicht solange auf dem Platz trocken führen wollte sind wir eine kleine Strecke mit ihm spazieren gegangen. Er hat zwar einmal etwas gewiehert ist mir aber völlig selbstverständlich gefolgt. Auch hier hab ich das stehen bleiben und antreten kontrolliert und er war absolut bei mir und sehr auf mich konzentriert. Wie es sich gehört hatten wir nicht einmal Spannung auf dem Führstrick. Ein schöner Nebeneffekt auf den ich natürlich auch spekuliert habe ;-). Nach so einer Aktion nehmen Pferde einen plötzlich als ebenbürtig bzw. ranghoch war, als jemanden auf den man achten muss.

Man liest immer mal wieder von Trainern die das Join up regelmäßig einsetzen um ein Pferd zu brechen. Das halte ich für den völlig falschen Ansatz und einen ebenso starken Ausdruck der menschlichen Hilflosigkeit wie den Einsatz von körperlicher Gewalt. Amoroso machte nach dem Join up weder den Eindruck am Ende seiner Kräfte zu sein, noch einen gebrochenen oder devoten Eindruck. Es war mehr so als wüsste er endlich wer die Führung hat und auch so etwas wie Erleichterung darum nicht immer trotz seiner Angst und Unsicherheit die Führung übernehmen zu müssen. Normalerweise ist ein Join up ausreichend und absolut nachhaltig. Dennoch sind wir natürlich auf seine weitere Entwicklung gespannt!